Sonntag, 7. Dezember 2014

...zu Vertrauen ist eine Entscheidung die wir treffen

Vertrauen 
ist in psychologisch-persönlichkeitstheoretischer Perspektive definiert als subjektive Überzeugung von der RichtigkeitWahrheit bzw. Redlichkeit von Personen, von Handlungen, Einsichten und Aussagen eines anderen oder von sich selbst. (Quelle: Wikipedia)

Für mich ist Vertrauen neben Toleranz der wichtigste Bestandteil einer gut funktionierenden Beziehung und das musste ich in den letzten zehn Jahren erstmal lernen. 

Meinen Mann habe ich im Jahre 2005 kennengelernt. Ich war 15, er war schon 19 - in dem Alter ein riesiger Unterschied. Für mich war es mein erster fester Freund. Dementsprechend war er natürlich wesentlich erfahrener als ich und das schlug sich auch sehr schnell in unserer Beziehung nieder. Aufgrund dieses Altersunterschieds kam es relativ früh zu einem Punkt in dem sich mein gerade erst aufbauendes Vertrauen komplett verabschiedete. Und genauso schnell wie wir zusammen kamen, trennten wir uns auch wieder. Es handelte sich allerdings um eine typische On-Off Beziehung (wer kennt sie nicht). Nach gerade mal einer Woche fanden wir überstürzt wieder zueinander, aber mit Beziehung hatte diese Phase meines Erachtens nach nichts zu tun. 

Das ganze hielt nochmals einen Monat bis mein nicht vorhandenen Vertrauen das Ende dieses Spieles heraufbeschwor. Wenn ich heute darüber nachdenke hatte diese ganze Zeit rein gar nichts mit einer Beziehung zu tun, so wie ich sie heute kenne. 

Das Vertrauen war damals weg, aber die Anziehungskraft zwischen uns nicht. Wir führten eine offene Beziehung und das ganze drei Jahre. Immer wieder gerieten wir aneinander. Egal wo er war, egal was er machte, ich war misstrauisch. 

Mit der Zeit kam auch immer mehr der Selbstzweifel. Ich fühlte mich nicht liebenswert, nicht in Ordnung. Ich suchte die Fehler bei mir. Ich wusste, dass er den Vertrauensbruch verursacht hat, aber empfand mich als Täter. Ich dachte, wenn ich ihm alles gebe, dann liebt er mich irgendwann wieder. Ich verlor die Kontrolle. Die Eifersucht übertrumpfte jeden kleinen Rest an Vertrauen. Ich lebte ganz nach dem Motto "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser".

Im Jahre 2008 bemerkte ich, dass etwas nicht richtig lief. Ich merkte, dass ich mich selber damit zerstörte. Ich merkte, dass ich viel verpasst habe. Ich brach aus.

Plötzlich traten andere Männer in mein Leben und ich versuchte einen neuen Lebensstil zu finden. In dem Moment bemerkte mein heutiger Mann, dass ihm etwas fehlte. Dass ich ihm fehlte. Es dauerte einige Zeit, bis er sich überwunden hatte und mir seine Liebe gestand. 

Aber ich hatte doch ein "neues" Leben. Ich hatte einen neuen Weg eingeschlagen. Mein Selbstvertrauen hatte ich in der Zwischenzeit wieder deutlich aufgebaut. Ich fühlte mich wieder begehrenswert, ich fühlte mich stärker. Ich wusste, dass ich ihn auch noch liebte, aber konnte ich ihm wieder Vertrauen?
Ich entschied mich dafür, wieder zu vertrauen. Ich besaß nun auch die nötige Stärke, meine  Wünsche und Erwartungen klar und deutlich meinem Mann gegenüber zu äußern. 
Ich vergaß die Vergangenheit und konzentrierte mich auf die Zukunft. Ich gebe zu, es war schwer die Vergangenheit ruhen zu lassen. Und auch heute ertappe ich mich dabei, meinem Mann die Vergangenheit an den Kopf zu werfen. Aber die Vergangenheit darf die Gegenwart einfach nicht übertrumpfen. 
Ich schätze, alles was vorgefallen ist hatte einen Grund. Und diese Vorfälle haben unsere Beziehung auf einer Art und Weise auch gestärkt. 
Zu vertrauen ist eine Entscheidung, die wir treffen. Verständlich, dass wir uns schwer tun, wieder zu vertrauen, wenn wir mal enttäuscht wurden. Und es ist auch verständlich, dass wir unser Vertrauen nicht wie einen Lichtschalter an und ausschalten können. Wieder Vertrauen kann man nicht erzwingen. Das Vertrauen muss erst wieder langsam wachsen. Das braucht Zeit.
Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass wir uns zuerst bewusst dafür entscheiden, wieder vertrauen zu wollen. Wann immer wir uns für einen Menschen öffnen, gehen wir das Risiko ein, enttäuscht oder verlassen zu werden. 
Niemand kann uns eine Garantie geben, dass unser Vertrauen belohnt wird. Andererseits muss es auch nicht immer schlecht laufen. 
Aus eigener Erfahrung kann ich also sagen, dass Vertrauen und auch Selbstvertrauen das wichtigste in einer Beziehung sind. 
Vor allem muss man sich selber lieben, um andere zu lieben und geliebt zu werden.

Dieser sehr persönliche Blogpost (welcher wirklich Überwindung gekostet hat) ist im Rahmen der Aktion "Blogger packen aus!" entstanden. Das Thema der Blogparade lautet "Was war deine wichtige Beziehungserfahrung".
Viele andere Bloggerkollegen berichten ebenfalls über ihre Erfahrungen und die Leser bekommen die Möglichkeit, einen besser kennenzulernen.
Ich bedanke mich bei Nils Terborg dafür, dass ich an dieser Aktion teilnehmen durfte! 

Eure Lena




Kommentare:

  1. Hi Lena,

    schöner (und in der Tat seher persönlicher!) Artikel! Finde deine Reise spannend und wünsche dir alles Gute! :-)

    LG, Nils

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